23.09.2011
„Ich bin jetzt fast genau ein Jahr in den Johanniter-Ordenshäusern. Die Arbeit gefällt mir sehr gut. Ich habe ein gelbes T-Shirt und eine schwarze Hose. Das ist meine Dienstkleidung. Ich bin für die Stationen Rheinland und Westfalen zuständig“, erklärt Jochen Malessa und man spürt dem Mann aus Volmerdingsen an, dass er stolz und zufrieden mit seiner Arbeit im Patientenbegleitservice ist. Im Gespräch verrät er, dass es am Anfang erst etwas schwieriger war. „Jetzt wissen die anderen, was ich leisten kann und wir haben uns gut eingespielt. Mit den Patienten gab es noch nie Probleme, die freuen sich, dass ich sie in dem großen Haus zur Therapie oder zu Untersuchungen begleite.“
Jochen Malessa ist nicht der einzige Mitarbeiter der Wittekindshofer Werkstätten, der seinen Arbeitsplatz gewechselt hat und in den Johanniter-Ordenshäusern in Bad Oeynhausen tätig ist. Zurzeit hat er zwei Kolleginnen aus dem Wittekindshof: Melanie Busch arbeitet im Hauswirtschaftsbereich und Katharina Klöpper ist ebenfalls im Patientenbegleitservice tätig. Beide sind schon seit über drei Jahren in den Johanniter-Ordenshäusern. Zukünftig sollen fünf Menschen mit Behinderung aus dem Wittekindshof ihren Arbeitsplatz in den Johanniter-Ordenshäusern haben, die darüber hinaus Praktikums- und Berufsbildungsbereichsplätze zur Verfügung stellen. Festgelegt haben das die beiden großen evangelisch-diakonischen Träger aus Bad Oeynhausen in einem Kooperationsvertrag, den der Geschäftsführer der Johanniter-Ordenshäuser Frank Böker und Vorstandssprecher Pfarrer Professor Dr. Dierk Starnitzke jetzt unterschrieben haben.
„Menschen mit Behinderung Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen, entspricht unserem diakonischen Selbstverständnis. Mit dem Wittekindshof haben wir einen Partner, der viel Erfahrung und Fachwissen bei der Berufsförderung einbringen kann. Wir brauchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auf die wir uns verlassen können. Gemeinsam gelingt es, Mitarbeitende trotz Handikap so einzusetzen, dass sie nicht überfordert werden und unsere Betriebsabläufe zuverlässig unterstützen“, erklärt Frank Böker.
Andreas Summe, Integrationsassistent in den Wittekindshofer Werkstätten, berichtet, dass es für die Mitarbeitenden ein großer Unterschied ist, ob sie jeden Tag in der Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten oder in einem Betrieb, in dem in der Mehrzahl Menschen ohne Behinderung arbeiten: „Viele haben das Ziel, draußen einen Arbeitsplatz zu finden und sind auch mit Erfolg bereit, dafür einiges zu tun, um die Anforderungen des Arbeitslebens zu erfüllen. Trotzdem kann Teilhabe am Arbeitsleben außerhalb der Werkstatt nur gelingen, wenn Geschäftsführung und die jeweiligen Teams bereit sind, sich auf diese Mitarbeitenden einzulassen, so wie wir es seit Jahren in vorbildlicher Form in den Johanniter-Ordenshäusern erleben“, berichtet Andreas Summe.
Rechtlich sind dabei mehrere Formen möglich. Während Melanie Busch und Jochen Malessa weiterhin Beschäftigte der Wittekindshofer Werkstätten sind, die einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz haben, wird Katharina Klöpper demnächst direkt in den Johanniter-Ordenshäusern einen Arbeitsvertrag unterschreiben. „Die Entwicklung von der Praktikantin zum sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz werden wir nicht allen Mitarbeitenden aus dem Wittekindshof anbieten können, aber wenn jemand sein Aufgabenfeld mit so viel Flexibilität, Zuverlässigkeit und Verantwortung ausfüllt, spricht nichts dagegen, jemanden zu übernehmen“, erklärt Michael Schelp, Kaufmännischer Leiter der Johanniter-Ordenshäuser, der hofft, dass auch andere Arbeitgeber erkennen, dass Menschen mit Behinderung eine Chance für das eigene Unternehmen sein können.
Der Wittekindshofer Vorstandssprecher Pfarrer Professor Dr. Dierk Starnitzke lobt die Zusammenarbeit der beiden großen diakonischen Träger: „Inklusion, das selbstverständliche Zusammenleben von Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten, kann nur gelingen, wenn verschiedene Akteure zusammenarbeiten und Netzwerke bilden. Deswegen bietet es sich natürlich an, dass wir gerade unter diakonischen Trägern in der Region intensiv zusammenarbeiten. Wir freuen uns, dass das mit den Johanniter-Ordenshäusern so gut möglich ist.“
Hintergrund: Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung
Der Wittekindshof unterstützt Menschen mit Behinderung, um Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Dazu gehören die Berufspraxisstufen in der Schule Wittekindshof und in der Gronauer Johannessschule, das Berufsbildungswerk in Bad Oeynhausen-Eidinghausen und die Wittekindshofer Werkstätten, die über 1.200 Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung anbieten. Seit einigen Jahren wird verstärkt der Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gefördert. Erste Kontakte zu externen Betrieben schaffen kürzere und längere Praktika. Wenn diese für beide Seiten erfolgreich verlaufen, können sie in einen betriebsintegrierten Arbeitsplatz wie beispielsweise in den Johanniter-Ordenshäusern umgewandelt werden. Einige Beschäftige entwickeln sich dabei so gut, dass sie einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz ausfüllen können. Beim Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt erhalten Menschen mit Behinderung und die beteiligten Firmen Unterstützung durch den Integrationsfachdienst des Kreises Minden-Lübbecke, mit dem Andreas Summe und sein Team als Integrationsassistenten der Wittekindshofer Werkstätten eng zusammen arbeiten.
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